Die Aufgabenstellungen der 1. Lektion „Über das Schreiben“ lesen sich im ersten Moment ja recht eingängig. Doch wenn man dieses Kapitel gewissenhaft durchleuchtet, so stellt man fest, dass es eine Menge Aufarbeitung bedarf, sich dieser Aufgabe bewusst zu werden. Jesse Falzoi geht es darum, sich dem „woher“ und dem „warum“ zu widmen. In späterer Folge erkunden wir, was uns an Büchern so fasziniert hat. Seien es Textstellen daraus, die uns Freude andernfalls Frust bereitet haben, oder die berechtigte Frage - was hätte ich an der Stelle des Autors geplant? Beziehungsweise - was hat er sich dabei gedacht, den Text genau so zu verfassen.
Übungen:
1) Wann habe ich das erste Mal geschrieben?
2) Essay über "Warum schreibe ich?"
3) Textstellen aus Büchern heraussuchen, die mich beeindruckt haben.
4) Eine emotionale Antwort auf ein Buch schreiben. (auch Kritik)
Wann habe ich das erste Mal geschrieben?
Meine Schreibanfänge reichen zurück bis in die frühe Kindheit. Schon in der Schule habe ich es geliebt, Aufsätze zu schreiben. Für einige der Schulkollegen war das eine Qual. Für mich waren das die herrlichsten Aufgaben. Mit 10 Jahren beschloss ich, völlig freiwillig, ein nicht vollständiges A5 Heft mit einer netten Geschichte zu bereichern. Mit der Füllfeder in der Hand erschuf ich das Abenteuer von "Bummel - der Superhase". Ein kleines, schwächliches Häschen, welches später durch eine magische Karotte Superkräfte entwickelt. Ein mystischer Umhang verleiht Bummel sogar die Fähigkeit zu fliegen. Und so rettet er am Ende seine tierischen Freunde am Feld und somit den Tag.
Mit fünfzehn Jahren, in der Hauptschulzeit, erlebte ich so manches Abenteuer mit meinen Freunden aus der Hausanlage und der Schulklasse. In dieser Zeit beschäftigte ich mich mit zwei wundervollen Unterhaltungsmedien. Zum einen verschlang ich Hörspiele über den Kasettenrekorder. Jede Nacht, sobald das Licht ausging, warteten faszinierende Abenteuer, welche durch die Stoffboxen, oder durch den Walkman mit Kopfhörer, in mein Ohr drangen. Zum anderen war ich zu dieser Zeit ein großer Fan der Star-Trek-Filme rund um William Shatner und Leonard Nimoy. Ich liebte die Reisen der Enterprise sowie das zwischenmenschliche Zusammenspiel der unterschiedlichsten Figuren. Den Einflüssen dieser beiden märchenhaften Welten ist es zu verdanken, dass ich 1994 damit anfing, die Erlebnisse mit meinen Freunden in kurzen Texten zu verarbeiten. Fiktive Geschichten in unserer realen Umgebung. Es war die Macht in den Fingern, die mir erlaubte, mir eine eigene Realität zu schaffen. Dabei verschmolz Fiktion mit der echten Welt und gipfelte in einer Kurzgeschichte. "Das Dreamteam“.
Vergleichen lässt sich das Konzept mit den Erlebnissen der "drei ???" von Robert Arthur oder der "Knickerbocker Bande" von Thomas Brezina. Und wenn das Dreamteam, bestehend aus meinem Bruder, zwei Kumpels, einer Freundin und mir, ihr Abenteuer bestreitet, so reisen sie mit einem silbernen Toyota-Starlet durch ihre Welt. So wie die Enterprise und ihre Crew, wo wir erneut die Brücke zu Star Trek schlagen. Und weil ich diese gesammelten Werke meinen Freunden erzählte und manchmal vorlas, hatte ich damals sogar schon ein erstes Publikum. In den darauffolgenden Jahren schrieb ich unzählige Hefte und Mappen voll. Alleine durch das Dreamteam sind bis heute 12 Geschichten entstanden. Später veröffentlichte ich innerhalb der Community des Onlinerollenspiels „Neocron“ zwei Bücher, welche in den Foren äußerst beliebt waren. Und vieles mehr hat sich über die Jahre hinweg aufgebaut. Doch der kleine Superhase und die Abenteuer des Dreametams werden für immer meine Anfänge in ein größeres Universum sein.
Zwei Seiten Essay über "Warum schreibe ich?"
Musik ist Emotion!
Und Empfindungen wollen erlebt werden!
Gefühle finden sich in Geschichten und ihren Figuren wieder!
Vermutlich ist der Grund, weshalb ich in Kindesalter damit begann, meine ersten längeren Aufsätze zu schreiben, dass ich auf einem Schlag Welten zu erschaffen vermochte. Gleichzeitig gab es mir die Chance, meine Sentiments und Erfahrungen in Charakteren, Orten und Handlung zu verarbeiten.
In meiner Kindheit und Jugend war ich ein bekennender Sammler von Filmmusik. Ganze Regale waren voll von Blockbuster Kino Scores und Serien Sampler. Diese hörte ich oft bis spät in die Nacht über den Discman und tanzte innerlich zu den emotionalen Klängen von „James Horner“ oder „Jerry Goldsmith“ und weitere. Doch waren es nicht die Bilder des jeweiligen Films, die mich dabei begleiteten. Nein, es waren selbst auserdachte Szenen zu Storys, die ich entweder zu schreiben anstrebte, beziehungsweise längst geschrieben hatte. Ich hatte die Ideen, Figuren und Handlungen auf die Musik projiziert und visualisierte Kapitel, bevor ich sie aufschrieb. Eine Methode, welche ich heute anwende, wenn ein Buchprojekt entwickelt wird.
Nein, ein Bücherwurm war ich nicht. Anstatt die Zeit damit zu verbringen, mit der Nase zwischen unzähligen Seiten zu kleben, lebte ich eine relativ regsame Kindheit. Nichts hielt mich lange innerhalb meiner vier Wänden. Ich spielte draußen Fußball, traf Freunde zum Konsolenzocken, um die neuesten Abenteuer von Lara Croft zu erleben oder Zombies zu jagen. Ich war schon immer mehr durch Bewegtbilder visuell zu überzeugen, als von Buchstaben auf Papier gepresst.
Warum ich so gerne und leidenschaftlich schrieb, lag daran, dass ich schon in damals dem Pfad der Selbstverwirklichung suchte. In jener Zeit hatte ich keinen PC und Internet gab es bislang nicht. Man war nicht vernetzt wie heute. Das sollte aber gewiss kein Nachteil sein. Denn so wurde ich kaum abgelenkt durch Social Media und seinen Versuchungen. Ich holte mir ein leeres A5 Heft, zückte meine Füllfeder oder Kugelschreiber und schrieb darauf los. So ein Heft hatte 80 Blätter. Da musste ich mich schon früh ins richtige Plotten einer Geschichte hineinarbeiten, um am Ende nicht zu hastig zum Finale zu kommen.
Mit meinem damals besten Freund zog ich oftmals abends um die Häuser. Er drehte eine Gassirunde mit seinem Hund und ich begleitete ihn. Und in dieser Stunde entwarfen wir Geschichten in unserer Fantasie und arbeiteten diese gewissenhaft aus. Ich habe diese Zeit genossen. Wir inszenierten Handlung, Figuren, Orte und Plott. Und als so eine Geschichte zu Ende gedacht war, habe ich sie aufgeschrieben. Und mein Kumpel war später der Erste und schärfster Kritiker, wenn er sie las. Diese Phase hat mich geprägt und bestärkt, weiter Hefte und Ordner vollzuschreiben.
Ich schrieb in regelmäßigen Abständen und später ab und zu einmal, bis ich 2011 mein letztes Abenteuer zu Papier brachte. Dann folgte eine lange Pause. Sie sollte bis ins Jahr 2022 andauern. Dazwischen hatte ich immer wieder versucht, ein neues Projekt umzusetzen, doch ich vermochte mich nicht mehr zu motivieren, eines zu beenden. Und das nächste Buchprojekt schien in weite Ferne gerückt zu sein. Gar hatte es den Eindruck, dass ich nie wieder dazu zurückkommen würde.
Eine schwierige depressive Phase bewog mich, zu den Wurzeln zurückzukehren. Es war ein Abschnitt meines Lebens, wo ich alles hinterfragte und nicht wusste, wohin ich wollte. Traurigkeit, gefühlte Hilflosigkeit und Furcht breiteten sich aus. Vieles, dass ich angestoßen hatte, wurde von mir persönlich eiskalt angezweifelt. Und so hegte ich die Idee, mich vom Alltagsstress und den innerlichen Sorgen zurückzunehmen. Ein neues Buch. Und die Vorstellung kam buchstäblich über Nacht, als ich wieder einmal dabei war wundervolle Filmmusik zu hören. Ein Blitz schlug förmlich ein. Da war sie, die Idee. Und sie blieb in meinem Kopf verankert. Es fügte sich alles zusammen. Figuren, Orte, Handlung. Es war wieder wie früher. Und so hielt ich an diesem Konzept fest, das umzusetzen.
Doch damit nicht genug. Ich holte mir ein Tablet und zog es vor, mein neues Buch ortsunabhängig zu schreiben. Am liebsten hockte ich im Zug und bereiste das ganze Land, während ich in die Tasten klopfte. Es bot mir einerseits eine Form von Freiheit und andererseits wurde ich nicht von anderen Sorgen abgelenkt. Kopfhörer rein. Emotionale Musik an. Und schon konnte es losgehen.
Heute schreibe ich, weil es mir wieder Spaß macht, meine persönliche Buchreihen voranzutreiben und diese Welten dem Leser gänzlich zu öffnen. Ich schätze das Gefühl, in diesen Universen unabhängig zu sein und Emotionen auf Papier zu bringen. Mein Antrieb ist es nicht, ein weltbekannter Autor zu werden oder mit den Büchern reich zu werden. Das wäre alles ein angenehmer Nebeneffekt. Mir ist wichtig, mich in einer Form auszudrücken, die mir persönlich das Herz erwärmt. Und wenn es mir dabei gelingt, andere für eine Weile in meine Welt einzuladen, bin ich glücklich. Ja, Kritik ist oft hart. Vor allem sie anzunehmen. Doch ich bin gewillt, mich weiterzuentwickeln und das Bestmögliche aus mir herauszuholen.
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