Lektion 1: Über das Schreiben

Veröffentlicht am 28. Mai 2026 um 19:17

Die Aufgabenstellungen der 1. Lektion „Über das Schreiben“ lesen sich im ersten Moment ja recht eingängig. Doch wenn man dieses Kapitel gewissenhaft durchleuchtet, so stellt man fest, dass es eine Menge Aufarbeitung bedarf, sich dieser Aufgabe bewusst zu werden. Jesse Falzoi geht es darum, sich dem „woher“ und dem „warum“ zu widmen. In späterer Folge erkunden wir, was uns an Büchern so fasziniert hat. Seien es Textstellen daraus, die uns Freude andernfalls Frust bereitet haben, oder die berechtigte Frage - was hätte ich an der Stelle des Autors geplant? Beziehungsweise - was hat er sich dabei gedacht, den Text genau so zu verfassen.

Übungen:
1) Wann habe ich das erste Mal geschrieben?
2) Essay über "Warum schreibe ich?"
3) Textstellen aus Büchern heraussuchen, die mich beeindruckt haben.
4) Eine emotionale Antwort auf ein Buch schreiben. (auch Kritik)

Wann habe ich das erste Mal geschrieben?

Meine Schreibanfänge reichen zurück bis in die frühe Kindheit. Schon in der Schule habe ich es geliebt, Aufsätze zu schreiben. Für einige der Schulkollegen war das eine Qual. Für mich waren das die herrlichsten Aufgaben. Mit 10 Jahren beschloss ich, völlig freiwillig, ein nicht vollständiges A5 Heft mit einer netten Geschichte zu bereichern. Mit der Füllfeder in der Hand erschuf ich das Abenteuer von "Bummel - der Superhase". Ein kleines, schwächliches Häschen, welches später durch eine magische Karotte Superkräfte entwickelt. Ein mystischer Umhang verleiht Bummel sogar die Fähigkeit zu fliegen. Und so rettet er am Ende seine tierischen Freunde am Feld und somit den Tag.

Mit fünfzehn Jahren, in der Hauptschulzeit, erlebte ich so manches Abenteuer mit meinen Freunden aus der Hausanlage und der Schulklasse. In dieser Zeit beschäftigte ich mich mit zwei wundervollen Unterhaltungsmedien. Zum einen verschlang ich Hörspiele über den Kasettenrekorder. Jede Nacht, sobald das Licht ausging, warteten faszinierende Abenteuer, welche durch die Stoffboxen, oder durch den Walkman mit Kopfhörer, in mein Ohr drangen. Zum anderen war ich zu dieser Zeit ein großer Fan der Star-Trek-Filme rund um William Shatner und Leonard Nimoy. Ich liebte die Reisen der Enterprise sowie das zwischenmenschliche Zusammenspiel der unterschiedlichsten Figuren. Den Einflüssen dieser beiden märchenhaften Welten ist es zu verdanken, dass ich 1994 damit anfing, die Erlebnisse mit meinen Freunden in kurzen Texten zu verarbeiten. Fiktive Geschichten in unserer realen Umgebung. Es war die Macht in den Fingern, die mir erlaubte, mir eine eigene Realität zu schaffen. Dabei verschmolz Fiktion mit der echten Welt und gipfelte in einer Kurzgeschichte. "Das Dreamteam“.

Vergleichen lässt sich das Konzept mit den Erlebnissen der "drei ???" von Robert Arthur oder der "Knickerbocker Bande" von Thomas Brezina. Und wenn das Dreamteam, bestehend aus meinem Bruder, zwei Kumpels, einer Freundin und mir, ihr Abenteuer bestreitet, so reisen sie mit einem silbernen Toyota-Starlet durch ihre Welt. So wie die Enterprise und ihre Crew, wo wir erneut die Brücke zu Star Trek schlagen. Und weil ich diese gesammelten Werke meinen Freunden erzählte und manchmal vorlas, hatte ich damals sogar schon ein erstes Publikum. In den darauffolgenden Jahren schrieb ich unzählige Hefte und Mappen voll. Alleine durch das Dreamteam sind bis heute 12 Geschichten entstanden. Später veröffentlichte ich innerhalb der Community des Onlinerollenspiels „Neocron“ zwei Bücher, welche in den Foren äußerst beliebt waren. Und vieles mehr hat sich über die Jahre hinweg aufgebaut. Doch der kleine Superhase und die Abenteuer des Dreametams werden für immer meine Anfänge in ein größeres Universum sein.


Zwei Seiten Essay über "Warum schreibe ich?"

Musik ist Emotion!
Und Empfindungen wollen erlebt werden!
Gefühle finden sich in Geschichten und ihren Figuren wieder!
Vermutlich ist der Grund, weshalb ich in Kindesalter damit begann, meine ersten längeren Aufsätze zu schreiben, dass ich auf einem Schlag Welten zu erschaffen vermochte. Gleichzeitig gab es mir die Chance, meine Sentiments und Erfahrungen in Charakteren, Orten und Handlung zu verarbeiten.

In meiner Kindheit und Jugend war ich ein bekennender Sammler von Filmmusik. Ganze Regale waren voll von Blockbuster Kino Scores und Serien Sampler. Diese hörte ich oft bis spät in die Nacht über den Discman und tanzte innerlich zu den emotionalen Klängen von „James Horner“ oder „Jerry Goldsmith“ und weitere. Doch waren es nicht die Bilder des jeweiligen Films, die mich dabei begleiteten. Nein, es waren selbst auserdachte Szenen zu Storys, die ich entweder zu schreiben anstrebte, beziehungsweise längst geschrieben hatte. Ich hatte die Ideen, Figuren und Handlungen auf die Musik projiziert und visualisierte Kapitel, bevor ich sie aufschrieb. Eine Methode, welche ich heute anwende, wenn ein Buchprojekt entwickelt wird.

Nein, ein Bücherwurm war ich nicht. Anstatt die Zeit damit zu verbringen, mit der Nase zwischen unzähligen Seiten zu kleben, lebte ich eine relativ regsame Kindheit. Nichts hielt mich lange innerhalb meiner vier Wänden. Ich spielte draußen Fußball, traf Freunde zum Konsolenzocken, um die neuesten Abenteuer von Lara Croft zu erleben oder Zombies zu jagen. Ich war schon immer mehr durch Bewegtbilder visuell zu überzeugen, als von Buchstaben auf Papier gepresst.

Warum ich so gerne und leidenschaftlich schrieb, lag daran, dass ich schon in damals dem Pfad der Selbstverwirklichung suchte. In jener Zeit hatte ich keinen PC und Internet gab es bislang nicht. Man war nicht vernetzt wie heute. Das sollte aber gewiss kein Nachteil sein. Denn so wurde ich kaum abgelenkt durch Social Media und seinen Versuchungen. Ich holte mir ein leeres A5 Heft, zückte meine Füllfeder oder Kugelschreiber und schrieb darauf los. So ein Heft hatte 80 Blätter. Da musste ich mich schon früh ins richtige Plotten einer Geschichte hineinarbeiten, um am Ende nicht zu hastig zum Finale zu kommen.

Mit meinem damals besten Freund zog ich oftmals abends um die Häuser. Er drehte eine Gassirunde mit seinem Hund und ich begleitete ihn. Und in dieser Stunde entwarfen wir Geschichten in unserer Fantasie und arbeiteten diese gewissenhaft aus. Ich habe diese Zeit genossen. Wir inszenierten Handlung, Figuren, Orte und Plott. Und als so eine Geschichte zu Ende gedacht war, habe ich sie aufgeschrieben. Und mein Kumpel war später der Erste und schärfster Kritiker, wenn er sie las. Diese Phase hat mich geprägt und bestärkt, weiter Hefte und Ordner vollzuschreiben.

Ich schrieb in regelmäßigen Abständen und später ab und zu einmal, bis ich 2011 mein letztes Abenteuer zu Papier brachte. Dann folgte eine lange Pause. Sie sollte bis ins Jahr 2022 andauern. Dazwischen hatte ich immer wieder versucht, ein neues Projekt umzusetzen, doch ich vermochte mich nicht mehr zu motivieren, eines zu beenden. Und das nächste Buchprojekt schien in weite Ferne gerückt zu sein. Gar hatte es den Eindruck, dass ich nie wieder dazu zurückkommen würde.

Eine schwierige depressive Phase bewog mich, zu den Wurzeln zurückzukehren. Es war ein Abschnitt meines Lebens, wo ich alles hinterfragte und nicht wusste, wohin ich wollte. Traurigkeit, gefühlte Hilflosigkeit und Furcht breiteten sich aus. Vieles, dass ich angestoßen hatte, wurde von mir persönlich eiskalt angezweifelt. Und so hegte ich die Idee, mich vom Alltagsstress und den innerlichen Sorgen zurückzunehmen. Ein neues Buch. Und die Vorstellung kam buchstäblich über Nacht, als ich wieder einmal dabei war wundervolle Filmmusik zu hören. Ein Blitz schlug förmlich ein. Da war sie, die Idee. Und sie blieb in meinem Kopf verankert. Es fügte sich alles zusammen. Figuren, Orte, Handlung. Es war wieder wie früher. Und so hielt ich an diesem Konzept fest, das umzusetzen.

Doch damit nicht genug. Ich holte mir ein Tablet und zog es vor, mein neues Buch ortsunabhängig zu schreiben. Am liebsten hockte ich im Zug und bereiste das ganze Land, während ich in die Tasten klopfte. Es bot mir einerseits eine Form von Freiheit und andererseits wurde ich nicht von anderen Sorgen abgelenkt. Kopfhörer rein. Emotionale Musik an. Und schon konnte es losgehen.

Heute schreibe ich, weil es mir wieder Spaß macht, meine persönliche Buchreihen voranzutreiben und diese Welten dem Leser gänzlich zu öffnen. Ich schätze das Gefühl, in diesen Universen unabhängig zu sein und Emotionen auf Papier zu bringen. Mein Antrieb ist es nicht, ein weltbekannter Autor zu werden oder mit den Büchern reich zu werden. Das wäre alles ein angenehmer Nebeneffekt. Mir ist wichtig, mich in einer Form auszudrücken, die mir persönlich das Herz erwärmt. Und wenn es mir dabei gelingt, andere für eine Weile in meine Welt einzuladen, bin ich glücklich. Ja, Kritik ist oft hart. Vor allem sie anzunehmen. Doch ich bin gewillt, mich weiterzuentwickeln und das Bestmögliche aus mir herauszuholen.


Textstellen aus Büchern heraussuchen, die mich beeindruckt haben.

Jane Leslie Conly (geboren 1948) ist eine US-amerikanische Autorin, die die berühmte NIMH-Fantasyreihe ihres Vaters Robert C. O’Brien erfolgreich fortführte.
Ihr Buch „Das Geheimnis der Ratten von NIMH“ ist der dritte Band der Reihe und begleitet die verirrten Geschwister Margaret und Artie im Wald. Dort werden sie von den hochintelligenten Laborratten gerettet und helfen fortan dabei, deren geheime Zivilisation vor den Menschen zu beschützen.

Die Ratten von NIMH könnten einigen ein Begriff sein. Es handelt sich um genmanipulierte Tiere aus dem Forschungslabor NIMH, die aus ihrer Gefangenschaft entkamen, und einen neuen Stamm gründeten, weitweg von den Menschen. Die Versuche hatten aus ihnen intelligentere Wesen gemacht, die sogar unsere Sprache beherrschen. Robert C´Obrien schrieb einst das bekannte Buch „Mrs. Frisby & the Rats of Nimh“. Es ist die Vorlage für den Zeichentrickfilm „Mrs. Brisby & das Geheimnis von Nimh“ aus dem Jahr 1982. Später führte Jane Lesslie Conly, die Tochter von Robert C´Obrian, nach dessen Tod, die Serie der Ratten von NIMH in zwei darauffolgenden Büchern weiter. Eines davon „Das Geheimnis der Ratten von NIMH“ landete, als Beute nach einem Büchertag in der Schulde, in meinen Händen.

In dieser Geschichte verirren sich die Geschwister Margaret und Arthur in das Dornental. Wir erleben das Abenteuer aus der Perspektive von Christopher, Isabella und Rasko – Ratten aus der Gefolgschaft, die im Dornental leben. Christopher hat sich mit dem jungen Arthur angefreundet und lernt, ihn zu vertrauen. Da stellt Margaret ihm eine Falle. Und darum geht es in diesen Zeilen, welche mich hier beeindruckt haben.

Mir hat in jungen Jahren imponiert, wie brutal die Gefangennahme Christophes geschildert wird. Margaret stülpt ihm ein Geäst aus Dornen über den Körper. Dort bohren sich Spitzen in das Fleisch seiner Nase. Später gelingt es ihr, eine Schnur um seinen Hals zu wickeln, und zieht ihn gegen das Astwerk. Im Hintergrund weint der kleine Arthur, der sich des Verrats schuldig fühlt. Nachdem er aufgegeben hat, wird er gefesselt und von Margret verhört. Diese Textstellen brechen mit dem Ton des Buches, das eindeutig auf ein junges Publikum abgezielt ist. Trotz Mystik und Abenteuerlust erleben wir hier eine wesentlich rauere, brutalere Seite der Autorin. Womöglich strebte sie genau zu diesem Zeitpunkt an, dass die Gesamtsituation der Kinder in der fremden Umgebung dazu führt, sich den Umständen entsprechend zu verhalten. Man erlebt nicht oft sprechende Ratten, die sich einem offenbaren.

Die Geschichte wird später abenteuerlicher und ein wenig melancholischer, doch kein Absatz erreicht mehr diese prüde Härte, wie in dieser Szene. Und das ist mir als Kind in Erinnerung geblieben.

Thomas Brezina ist mit über 550 Werken einer der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren Österreichs. Mit „Alte Geister ruhen unsanft“ startete er 2017 die Reihe „Knickerbocker4immer“ für erwachsen gewordene Fans von damals. In diesem Comeback treffen sich die vier Detektive nach 20 Jahren Funkstille auf einer einsamen englischen Insel wieder, um ein düsteres Geheimnis ihrer Jugend zu lösen.

Die Knickerbockerbande von Thomas Brezina wird viele in unserer Jugend begleitet haben. Zahlreiche Bücher und Hörspiele wanderten über den Ladentisch. Ich persönlich habe lieber die Hörspiele gehört, als die Bücher zu lesen. Ich würde mich nicht „Fan“ nennen, selbst wenn ich diese Buchreihe und vor allem den Autor schätze. Trotzdem habe ich das eine oder andere Abenteuer der Kinderdetektive rund um Lilo, Poppi, Axel und Dominik miterlebt.

Um so anregender war es für, als Thomas Brezina 2017 eine neue Buchreihe mit der Knickerbockerbande starte. Doch diesmal waren die Bücher an das erwachsengewordene Publikum gerichtet. Die vier Freunde haben sich gestritten und getrennt. 20 Jahre später werden sie, als Erwachsene, wieder zusammen gewürfelt und müssen ihre Vergangenheit aufarbeiten. Und es gibt einen neuen Fall, den sie zu lösen haben. Das auf einer rätselhaften britischen Insel.

Das Kapitel, das mich hier beeindruckt hat, nennt sich „Blutüberströmt“ und untermauert die erwachsene Gangart der neuen Buchreihe. Alle vier sitzen auf einer einsamen Insel fest, haben sich erst wieder nach Jahren getroffen, da verschwinden Dominik und Lilo. Axel und Poppi sind auf sich alleine gestellt. Als Axel nach oben in den ersten Stock marschiert, um nach dem Rechten zu sehen, begegnet ihm die Gestalt einer gespenstischen Frau. Wie Brezina hier die Gespensterfrau beschreibt, ist grandios. Der Absatz

„Noch viel schrecklicher, noch viel grässlicher und grauenhafter aber war das viele Blut, das der Frau in dünnen Rinnsalen über ihre Schläfen und ihr Gesicht rann. Es kam vom Scheitel der Frau, aus einer Wunde, die aussah, als hätte ihr jemand den Schädel mit der Axt gespalten. Das weiße Kleid war übersät von roten Spritzern in allen Größen.“

gibt mir, dem Leser eindeutig zu verstehen, dass ich mich hier nicht mehr in einem Kinderbuch befinde, sondern das die Themen mit den Figuren gereift sind. Genau das war es, was ich mir hier erwartet hatte. Warum ich mir dieses Buch geholt hatte. Das passt ausgezeichnet zu jenem Genre, welches ich bediene.


Eine emotionale Antwort auf ein Buch schreiben.

Thomas Morgenstern zählt zu den erfolgreichsten und prägendsten Skispringern in der Geschichte des internationalen Wintersports. Der gebürtige Kärntner feierte bereits im Alter von nur 16 Jahren seinen ersten Weltcupsieg und etablierte sich rasant an der Weltspitze. Im Laufe seiner beeindruckenden Karriere sammelte der Österreicher unter anderem drei olympische Goldmedaillen, acht Weltmeistertitel und triumphierte zweimal im Gesamtweltcup. Neben seiner außergewöhnlichen aerodynamischen Fluglinie zeichnete ihn vor allem eine immense mentale Stärke aus: Trotz mehrerer schwerer, lebensgefährlicher Stürze bewies er unbändigen Kampfgeist und kehrte immer wieder ganz nach oben auf das Podest zurück, bevor er 2014 seine Karriere beendete.

In seiner Biografie „Über meinen Schatten“ blickt Thomas Morgenstern ungeschönt hinter die Kulissen des Spitzensports. Er thematisiert offen den enormen Erwartungsdruck, die allgegenwärtige Angst und die mentalen Folgen seiner schweren Stürze. Das Werk ist keine reine Erfolgsgeschichte, sondern erzählt tiefgründig von Selbstzweifeln, der Überwindung eigener Grenzen und dem Neustart abseits der Schanze. Für eine Rezension beleuchtet es perfekt den Kontrast zwischen dem gefeierten Sporthelden und dem verletzlichen Menschen.

Sportbiografien sind oft so eine Sache. Wir durchleben, wer unsere „Helden“ sind und vor allem, wer sie waren. Von ihrer Kindheit, ihrer Entwicklung bis hin zum Superstar. Im Grunde das ganze Leben, bis an jenem Punkt, wo wir das Werk in unseren Händen halten. Das ist bei diesem Buch nur bedingt der Fall. Wir erfahren sämtliche Fakten über seinen Werdegang, damit wir - der Leser – den Menschen hinter Thomas Morgenstern kennenlernen. Im Wesentlichen handelt es aber um seinen schweren Sturz und das Comeback seines Lebens.

Es fängt damit an, dass Thomas Morgenstern in der Klinik erwacht. Vor wenigen Stunden war er beim Skifliegen am Kulm schwer gestürzt und hatte sich komplizierte innerliche Verletzungen zugezogen. Thomas hatte in seiner Karriere als Skispringer alles erreicht, was man in diesem Sport erreichen kann. Die junge Generation rückte nach, und der extrem motivierte Routinier kämpfte um den Anschluss. Er legte sich ins Zeug, um im Aufgebot des österreichischen Skiverbandes für die Olympischen Spiele in Sotschi mit dabei zu sein. Doch dieses Ziel war nach so einem Sturz und diesen Konsequenzen in weite Ferne gerückt.

In seinem Buch beschreibt Thomas die Zeit in der Klink, von Erinnerungslücken und dass er nach außen hin robust wirken wollte, um seinen Liebsten nicht zu belasten. Da er keine Erinnerungen an den Sturz hatte und nicht nachvollziehen konnte, wie sein Sturz passieren konnte, fasste er den Entschluss, dass scheinbar unmögliche zu versuchen. In nur vier Wochen wollte er von der Intensivstation zurück auf die Schanze ins Olympia-Team. Sein Cheftrainer motivierte ihn und ließ die Tür zu Olympia offen. Für Thomas begann der schwierigste Kampf in seiner Karriere. Er musste sich nicht nur den körperlichen Schmerzen stellen, sondern der seelischen Belastung und Angst, wieder auf die Schanze zu gehen. Und schließlich machte er das Unmögliche möglich. Er schaffte es, schwer gezeichnet, ins Olympia Team. Neben der Freude hagelte es Kritik von Außen, ob das die richtige Entscheidung war. Doch Thomas, der schon so vieles in seinem Leben erreicht hatte, zeigte der Welt einmal mehr, was er drauf hatte. Gemeinsam mit dem Nationalteam holte er sensationell die Silbermedaille. Wenige Wochen später hing er seine Sprung-Ski an den Nagel und beendet seine unglaubliche Karriere.

Thomas ist in diesem Buch überaus ehrlich. Es imponiert mir, wenn jemand so offen über seine Gefühle erzählt. Und umso beachtlicher ist es, dass er sie mit uns teilt. Seine Offenheit reicht über die Beschreibung seiner Karriere hinweg, indem er sich selbstkritisch hinterfragt. Faszinierend ist seine Schilderung über das Verhältnis zu seinem größten internen Konkurrenten Gregor Schlierenzauer.
Ich finde es großartig, wenn Stars von gestern und heute durch solche Geschichten greifbar werden. Wo wir erkennen, dass sie in vielen Situationen genau so reagieren wie wir.

Ich bin ein kleiner Skisprung-Fan. Darum interessiere ich mich generell für Bände und Biografien zu den Zeiten der legendären österreichischen Superadler. Auch das Buch vom damaligen Cheftrainer, dem leider so leidgeprüften Alexander Pointner, ist hier hervorzuheben.
Das Buch „Über meinen Schatten“ von Thomas Morgenstern empfehle ich aber nicht nur Skisprung Fans, sondern all jenen, die durch schwere Zeiten gehen. Es ist ein tolles Werk, dass Mut macht und Lösungen sucht.

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